Sonntag, 19. Februar 2017

Lange Schatten

Ich hab da ein Bild für ein neues Tuch vor Augen, dessen Übersetzung in die Stricknadeln aber partout nicht klappt. Nachdem ich mittlerweile ein halbes Dutzend unzulänglicher Versuche aufgetrennt habe, war es Zeit für etwas Entspannenderes.

Was mir auch noch in der Sammlung fehlt, ist "Schattenstricken". (Ich bin fast sicher, es gibt im Deutschen noch einen anderen Begriff für das, was im Englischen 'shadow knitting' oder 'illusion knitting' heißt.) Nach dem Motto: "Wenn's schon mit der Kreativität nicht klappt, tun wir wenigstens was für den Stash-Abbau" habe ich also so eine zweifarbige Fingerübung angeschlagen:


Das funktioniert ganz gut, ist ja eigentlich auch ganz einfach. (Man strickt jeweils zwei Reihen in einer Farbe, auf der Vorderseite immer rechts, auf der Rückseite die Maschen, die hervorstechen sollen rechts, die übrigen links.) Und wenn man schräg darauf schaut, ist das Muster auch schön erkennbar.

Ich bin allerdings skeptisch, ob man den Effekt auch sieht, wenn das fertige Tuch um den Hals geschlungen ist. Ich habe die Befürchtung, dass es dann bloß langweilig gestreift aussieht. Hat von Euch schon jemand Erfahrung damit?


Montag, 13. Februar 2017

Eisscholle


Nach dem Sonnentuch schienen alle angefangenen WIPs plötzlich todlangweilig. Die draußen anhaltende Düsternis schrie zwar nach einem weiteren, möglichst bunten Projekt, aber mangels zündender Ideen ließ ich Disziplin walten und habe die "Eisscholle" fertiggestellt.


Begonnen habe ich damit, als draußen deutlich zweistellige Minusgrade herrschten und mir die Vorsehung einen heruntergesetzten Restposten Paillettengarn bescherte. Ja doch, da sind wirklich Pailletten drin:



Kombiniert mit Kidsilk und (schon wieder!) Nadeln in Stärke 8 ging das ursprünglich recht flott voran. In diesem Fall ließ sich mit den dicken Nadeln auch erstaunlich gut arbeiten, weil das Garn trotz Doppelfaden noch vergleichsweise dünn war.

Ich bin ja immer noch auf der Suche nach der (für mich) perfekten Form bei von der Seite gestrickten Tüchern. Und ich kann sagen: Das ist es auch noch nicht. Es ist viel zu lang geworden. Das sieht zwar auf dem Bild gut aus, mindert den Tragekomfort aber ungemein, weil man sich nicht vernünftig darin einwickeln kann. (Das klappt nur an der unterernährten Schneiderpuppe, die mir heute ins Haus schneite.)



Hier hat sich das planlose Drauflosstricken zur Abwechslung einmal nicht bewährt. Denn einerseits wollte ich, dass die Musterstreifen diagonal verlaufen, andererseits aber auch eine halbwegs symmetrische Form. Und das ließ sich partout nicht miteinander in Einlang bringen.

Anfühlen tut es sich allerdings ganz wunderbar. Vielleicht werde ich noch ein paar Drapier-Versuche mit Tuchnadeln starten. Wenn die Temperaturen demnächst so sehr steigen, dass es zu warm dafür wird, bin ich auch nicht böse ...








Maße: 255 x 63 cm

Garn:
  • 70g Rowan Kidsilk Haze Stripe (70% Mohair, 30% Seide), LL 420 m / 50 g, Farbe 362
  • 370g Lana Grossa Opera (65% Baumwolle, 25% Polyamid, 5% Viskose, 5% Pailletten), LL 100 m / 50 g, Farbe 012
Nadelstärke: 8,0 mm

Sonntag, 5. Februar 2017

Waiting for the Sun

So, ich hätte dann meinen bescheidenen Beitrag dazu geleistet, etwas Sonne ins winterliche Dauergrau zu bringen. Und weil ich während des Strickens gelegentlich das flehentliche Klagen der Doors im Ohr hatte, gibt's heute sogar die passende musikalische Untermalung.


Weil ich ein paarmal gefragt worden bin, wie mir denn sowas einfällt, erzähle ich diesmal die Entstehungsgeschichte etwas genauer.
Diejenigen, die hier öfter lesen, ahnen ja schon, dass ausführliche Planung oder gar ein vorangehender Entwurf auf Papier bei mir eher die Ausnahme sind. Entsprechend habe ich auch eher selten schon ein fertiges Bild vor Augen, wenn ich mit dem Stricken beginne (kommt aber vor, zum Beispiel beim Briocheoholic, beim Frühlingshauch oder beim Wellenreiter).

Öfter ist es so, dass ich anfange, mit einem Detail herumzuspielen, wie mit dem Dreieck beim Linientreu oder hier eben mit der Sonne. Und die ist eigentlich komplett Frau Fadenkrams Schuld. Denn die beklagte sich in einem Kommentar bitterlich über das wochenlange Fehlen derselben. Und weil grade Sonntag war und ich sonst nichts zu tun hatte, dachte ich, ich stricke ihr schnell eine. Und als ich mit den Halbkreis so ansah, sah das plötzlich nach einem verheißungsvollen Anfang für ein halbrundes Tuch aus.


Der nächste Schritt war dann einfach ein: "Mal sehen, wie das Garn so läuft!". Und weil ein Halbkreis ja jede Menge Zunahmen erfordert, lag es nahe, das Strahlenmotiv noch etwas weiterlaufen zu lassen und die Zunahmen dazwischen zu platzieren.


An dieser Stelle traf sich dann das, was ich am spontanen Drauflosstricken am meisten liebe mit dem was am meisten hasse. Am meisten liebe ich: dass man plötzlich etwas Schönes, Verheißungsvolles hat, wo eine Stunde vorher noch gar nichts war. Am meisten hasse ich: dass ich für gewöhnlich keine Ahnung habe, wie es von der Mini-Idee aus weitergehen soll.

Außerdem gab es noch zusätzliche Erschwernisse. Alle vier vorhandenen Knäuel präsentierten sich nämlich  von außen unschuldig in gelb-orange-grau. Aber kaum dass ein bisschen verstrickt war, kam da plötzlich grün zum Vorschein! Das fand ich zwar anfangs etwas irritierend, aber ich konnte mich damit anfreunden. Ärgerlicher war schon, dass da auch noch jede Menge dunkelgrau war, was ich ja nun zufällig schon zur Kontrastfarbe auserkoren hatte.  Es blieb mir also gar nichts anderes übrig, als zu drastischen Maßnahmen zu greifen und etwas zu tun, was ich sonst nie tue, nämlich das Garn zu zerschneiden, um die dunklen Stücke auszusparen.

Damit das Grün nicht so dominant ins Auge fiel, war klar, dass als Nächstes dünnere Streifen her mussten. Und weil ich reine Querstreifen grundsätzlich langweilig finde und außerdem bei dem kurzen Farbverlauf des Garns und wachsender Größe des Tuchs die Farben immer diffuser miteinander verschmelzen, stand auch der übernächste Schritt schon fest: nämlich ein quer verlaufendes Band, um den Farbverlauf schöner in Szene zu setzen, aber mit etwas mehr Grau, wegen des Kontrasts.


Danach war wieder eine längere Grübelpause angesagt. Weil das Grundproblem mit dem diffusen Farbverlauf ja immer noch da war. Die erste Idee, nach den überfälligen Zunahmen gleich noch einen Querabschnitt zu machen, ließ sich nicht umsetzen, das sah einfach blöd aus. Schließlich dachte ich: "Wenn schon diffus, dann richtig!" und entschied mich für ein größeres Segment mit Webstichen.


Und als Abschluss noch einmal ein Querband (siehe oben: Kontast, Farbverlauf ...) Und das war's dann auch schon. Hätte noch eine Spur größer sein dürfen, trägt sich aber gut:



Soweit der Werkstattbericht. Blieb nur noch, sofort nachzusehen, ob die MilleColori Knäuel, die auch noch in grau-rot herumlagen, etwa auch mit unerwarteten Farben im Inneren aufwarteten. (Das war zum Glück nicht der Fall!)





Ach ja, und dann sind da ja auch noch die kryptischen Anmerkungen auf leeren Briefumschlägen zu dechiffrieren, die in eine Anleitung transformiert werden sollen.


Weil schon diverse "Will ich haben!"-Rufe ertönten, wird das mit der Anleitung recht schnell gehen. Voraussichtlich gibt es auch wieder einen kleinen KAL in der Fadenstille-Gruppe. Ich werde rechtzeitig Bescheid geben ...


Maße: 170 x 66 cm

Garn:
  • 160 g Lang Mille Colori Baby (100% Schurwolle), LL 190 m / 50 g, Farbe 014
  • 120 g Schachenmayr Regia 4-fädig (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 210 m / 50 g, Farbe 522
Nadelspiel 3,5 mm
Rundstricknadeln 3,5 und 3,75 mm

Edit: Die Anleitung ist fertig!

Mittwoch, 1. Februar 2017

Auf den Nadeln im Februar

Im Rückblick sieht es so aus, als ob ich den ganzen Januar ausschließlich mit Stricken verbracht hätte. Die imposante Zahl von gleich sechs fertiggestellten Projekten relativiert sich allerdings, wenn man berücksichtigt, das die Hälfte davon bereits monatelang mitgeschleppt wurde und Anfang des Jahres schon in den letzten Zügen lag.


Die Langzeit-Quälgeister waren das Mosaik-Tuch und die Monochrom-Monotonie sowie der rote Schal. Und weil auch das spontan angeschlagene orange-gelbe Tuch in die Rubrik 'langweilig' fiel (Abwechslung boten lediglich die reichlich zu vernähenden Fäden!), kamen die beiden fingerlosen Handschuhpaare gerade recht: Einfach genug, dass sich schnell ein Aha-Effekt einstellte, aber wegen der Richtungswechsel trotzdem spannend in der Ausführung. Und natürlich schnell fertig.

***

Potenzielle neue Projekte liefen dagegen zunächst etwas zäh an. Mein erster Versuch mit 'planned pooling' trug in erster Linie dazu bei, meinen Schimpfwortschatz zu aktualisieren. Die ausführliche Leidensgeschichte gibt's, wenn der Schal fertig ist (das kann noch dauern).


Der spontane Erwerb eines Restpostens 'Opera' führte dazu, dass der weitere Verlauf des Monats sich etwas paillettenlastig gestaltete. Noch ein Schal (als luftiges Handtaschenprojekt) und ein Tuch, das zwar von der Form her regelmäßig sein sollte, aber mit asymmetrisch verlaufenden Musterstreifen. Das erbrachte bislang noch kein Ergebnis, aber zumindest schon mal die Erkenntnis, dass es bei derlei Vorhaben nicht schaden könnte, dem spontanen Losstricken etwas Planung voranzustellen ...


Alle drei Neuanfänge wurden dann aber umstandslos von der Couch geworfen, als sich vorletzten Sonntag spontan eine neue Idee herauskristallisierte (Arbeitstitel: "Eine Sonne für Regina"). Die Herausforderung, gestreiftes Garn so zu verarbeiten, dass es nicht allzusehr nach Streifen aussieht, ist doch immer wieder unwiderstehlich. Das wird auf jeden Fall bald fertig, weil ich kaum die Finger davon lassen kann!


Jetzt wo es so da liegt, fällt mir auf, dass die Farben doch sehr ähnlich sind, wie beim bunten Wust, der, entgegen der Januar-Ankündigung, immer noch kein Stückchen weiter ist (wo habe ich den überhaupt hingetan?). Und auch aus den Plänen, die grün/türkisen Vorräte etwas abzubauen, ist nichts geworden. Na ja, wo einen die Inspiration eben hinführt ... Vorerst zu den Monatsprojekten der übrigen Strickgemeinde.



Freitag, 27. Januar 2017

Handschuhe kann man immer noch brauchen ...

Das hatte ich ja ganz vergessen: Zwischen Neujahr und Dreikönig hatte ich - in Ermangelung eigener Ideen - noch zwei Paar Stulpen fabriziert. Natürlich wieder aus der unerschöpflichen Kreativkiste von Sybil R.

Zum einen die Circle Mitts, die gemustertes Sockengarn besonders gut zur Geltung bringen. Ich habe in einem Anfall von Verspieltheit noch Mäusezähnchen an beiden Rändern ergänzt.



Und, basierend auf der gleichen Grundkonstruktion, die Hexagon Mitts. Da sind im wesentlichen nur die Zunahmen regelmäßig angeordnet. Und ehe Frau Fadenkram wieder bemängelt, dass die Fingernägel nicht passend lackiert sind: Stimmt, aber zum Ausgleich habe ich wenigstens farblich passende Klunker angelegt, das ist doch auch was ;).





Sonntag, 22. Januar 2017

Viel Streifen und ein bisschen Mosaik

Das hier hat sich gefühlt unendlich hingezogen, dabei sollte es nur ein schnelles Zwischendurch-Tuch werden. Ausgangspunkt war die rosa "Muss auch mal weg"-3 Cento, deren dezenter Farbverlauf mir zwar gut gefiel, die mir aber alles in allem etwas zu rosa war. Die Kombination mit dunkelgrau war daher schnell beschlossen. Ebenso schnell fiel die Entscheidung, verschiedene Hebemaschenmuster zu kombinieren.


Das entwickelte sich zunächst ganz flott und sah auch ganz ansprechend aus. Die Hindernisse begannen in der zweiten Hälfte. Zunächst in Gestalt mangelnder Selbstbeherrschung. Das kleine Mosaikmuster machte nämlich so viel Spaß, dass ich es gleich in größerem Rahmen fortsetzen wollte.


Als ich das halbfertige Tuch dann wieder herauskramte, störte mich, dass sich die Farbwechsel mit wachsender Kantenlänge viel zu schnell einstellten (nach zwei Dritteln fast in jeder Reihe). Es folgten eine Reihe verzweifelter Versuche, das letzte Drittel in verschiedenen Mustern quer zu stricken, um die Rosaschattierungen etwas mehr in den Vordergrund zu stellen. Sah aber alles nicht gut aus. Irgendwann pfefferte ich das Ding buchstäblich in die Ecke. Und siehe da: Aus der Entfernung betrachtet sah das mit den Farbwechseln gar nicht so schlimm aus, es irritierte nur, wenn man es beim Stricken unmittelbar vor der Nase hatte. 

Daraufhin ging der Abschluss, mit konventionellen Streifen, ganz schnell (na ja, bis auf die gefühlten zweieinhalb Kilometer I-Cord, der dann als I-Tüpfelchen aber doch noch sein musste). 
Das Endergebnis mag ich sehr. Allerdings ist immer noch ein Knäuel rosa übrig ...








Maße: 218 x 82 cm

Garn:

  • 133 g Lana Grossa 3 Cento (53% Schurwolle, 47% Acryl), LL 300 m / 50 g, Farbe 008
  • 110 g Schachenmayr Regia (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 210 m / 50 g, Farbe 522
Nadelstärke 3,75 mm

Montag, 16. Januar 2017

Einen dicken Schal kann man immer brauchen ...



... dachte ich letztes Jahr, als diese rote Glitzergarn im Ausverkauf in meinen Einkaufskorb purzelte.
Aber kennt Ihr das? Die einfachsten Teile, die man eigentlich gut an zwei Abenden fertigstellen könnte, liegen dann monatelang herum.


Lag in dem Fall sicher auch an den dicken Nadeln. Mehr als ein paar Reihen kriege ich mit 8er Nadeln nicht zustande, ehe die Handgelenke sich beschweren. Und dann kam natürlich auch der Sommer dazwischen. Aber angesichts der anhaltenden Minusgrade habe ich mich nun aufgerafft und - hurra! - kann ein weiteres Objekt von der UFO-Liste streichen. Jetzt darf ich aber wirklich endlich wieder was Neues anfangen, oder?


Maße: 30 x 196 cm

Garn:
  • 200 g Schulana Luxair (58% Alpaka, 19% Polyester, 13% Polyamid, 10% Schurwolle), LL 110 m / 50 g, Farbe 47.
Nadelstärke 8,0 mm